Abenteuer Nordamerika | Teil 10

REISEBERICHT - Unsere Mitarbeiterin Nicole Schmidt bereist mit dem Camper den Nordamerikanischen Kontinent von Juni bis September 2018 und ist momentan in Alaska zwischen Valdez nach Anchorage unterwegs...

 

Kenai Backcountry Lodge & Walbeobachtung

Wieder zurück in Homer machten wir uns auf den Weg nach Cooper Landing wo wir uns für drei Tage von unserem Truck Camper „Clover“ verabschiedeten und uns in die Kenai Backcountry Lodge aufmachten.

Die Lodge liegt am Ufer des Skilak Lake und ist nur per Boot erreichbar. Um zu der Lodge zu gelangen checken wir bei der Kenai Riverside Lodge ein, geben unser Gepäck ab und machen uns ready für das Raftingboot. Nach einer kurzen Einführung, haben alle ihre Regensachen und die Schwimmwesten angezogen, und mit zwei Rafts mit je 8 Gästen und einem Guide ging es los über den Kenai River zum Skilak Lake. Wir genossen einen sonnigen Tag auf dem Raft. Unser Guide „Minto“ der schon 37 Jahre dort arbeitet, erklärte uns die Pflanzen- und Tierwelt dieser Gegend sowie einige Geschichten was er schon alles so erlebt hat.

Zum Mittagessen machen wir Halt am Ufer und wie aus dem nichts zaubern unsere Guides eine Sandwich Bar. Voller Energie nehmen wir die zweite Hälfte unserer Fahrt in Angriff. Die Guides kennen den Fluss sehr gut, und sehen voraus wie die Stromschnellen sich verhalten. Am Ende kommen wir mit unseren Booten in den Skilak Lake, wo wir von einem Motorboot abgeholt und über den See zur Lodge gebracht werden.

Die Kenai Backcountry Lodge, bestehend aus einem Haupthaus, 9 Cabins, einem Sauna-Cabin, einer Feuerstelle und einem Pavillion liegt hinter der ersten Baumreihe am See. Strom erzeugt die Lodge durch Solar- und Wasserenergie. Die Cabins sind gemütlich eingerichtet, haben ein privates Badezimmer und ein kleines Deck mit zwei Sesseln.

Vor dem Abendessen kann man noch gut einen Schwumm im See nehmen und sich in der Sauna aufwärmen. Im Haupthaus essen wir gemeinsam ein leckeres Abendessen und als Abendprogramm erklärt uns ein Guide der Lebenszyklus der Lachse. Am nächsten Tag machen wir alle gemeinsam eine Wanderung. Drei Guides sind mit dabei und erklären uns die Blumen, Beeren sowie Pilze und Bäume welche es auf dem Weg zu sehen gibt, Minto erzählt darüber hinaus aber noch weitere lustige Erlebnisse aus seiner Vergangenheit.

Nach dem Lunch teilt sich die Gruppe auf, wer genug hat kann zurück gehen, wer noch Power hat kann noch weiter nach oben wandern um einen Blick über den See zu haben. Zurück bei der Lodge, hat jeder genug Zeit sich noch etwas auszuruhen, beim See die Ruhe zu geniessen eine runde Pingpong zu spielen oder die Sauna zu benützen. Der Koch hat sich auch am zweiten Abend wieder selber übertroffen. Das Essen war der Hit! Alles ist sehr familiär gehalten, es kommen mehrere Schüsseln mit Essen auf den Tisch, sobald alles da ist, kommt der Koch und erklärt was alles auf dem Tisch steht. Danach werden die Schüsseln rumgereicht und jeder nimmt sich soviel er mag.

An diesem Abend konnte jeder der noch Lust dazu hatte, sich zum See begeben, und noch etwas Kayak fahren in der Abendsonne. Es waren zwei wunderbare Tage in der Backcountry Lodge, perfekt als kleine Auszeit vom campen. Am nächsten Morgen ging es nach einem stärkenden Frühstück per Boot auf die andere Seite des Sees, und mit dem Auto zurück zur Riverside Lodge. In diesen zwei Tagen haben wir tolle Bekanntschaften geschlossen und vieles über die Flora und Fauna Alaskas gelernt. Es war ein tolles Erlebnis ganz abseits von der Zivilisation zu sein, sich auszuspannen, mit anderen Leuten Erlebnisse auszutauschen und sich keine Gedanken über die Route oder den nächsten Campingplatz machen zu müssen.  

Zurück in Cooper Landing, zurück in der Zivilisation, war wie in einer anderen Welt. Das Wetter begrüsste uns regnerisch doch von dem liessen wir uns nicht abschrecken. Den unser nächster Stopp war nicht weit entfernt. Es ging zu einer 4-stündigen Angeltour auf dem Kenai River. Mit Chad, unserem Angelguide waren wir kurzum wieder auf dem Wasser und suchten uns einen geeigneten Platz zum fischen. Es ging nicht lange, und wir drei standen mit unserer Angelroute, in Fischerhosen und mit der Regenjacke im Wasser und versuchten die aufwärtsschwimmenden Lachse zu angeln.

Chad erklärte uns Schritt für Schritt wie die Angel funktionierte und schon ging es los. Angel auswerfen, langsam quer zur Strömung zurückziehen und wenn man einen Lachs spürt mit einem Ruck den Hacken setzten und zurückziehen. Das klang alles ganz einfach, aber auch das will nun mal gelernt sein. Bei Michu sah das schon bald aus wie ein Profi, wobei sich bei mir der Hacken immer wieder in den Steinen festhackte. Und plötzlich, ich dachte schon ich wäre schon wieder steckengeblieben hatte ich doch tatsächlich einen Fisch am Hacken, ich konnte es gar nicht fassen und war total aufgeregt. Chad erklärte mir nun was ich machen musste und mit etwas Glück hatte ich es geschafft, unseren ersten Lachs rauszuholen! Da ist man so voller Adrenalin, da spielt es keine Rolle wie fest es regnet, dass merkt man gar nicht mehr. Chad filetierte den Lachs gleich vor Ort.

Kurze Zeit später hatte auch Michu einen an der Angel, doch leider ist er ihm beim rausholen entwischt. Die drei Stunden vergingen wie im Flug, und erst als wir mit dem Boot beim Anlegeplatz waren, merkte ich wie kalt es geworden war. Mit unserer Ausbeute von einem Lachs gingen wir also glücklich zur gleich um die Ecke gelegenen Fish Processing Station und dort wurde unser Lachs in Stücke geteilt und vakuumiert. Nun können wir noch einige Male von unserem selbstgefangenen Lachs (1,8kg Filet) zu Abend essen.

Wow, das waren aufregende Tage und es wird noch besser, denn nach Cooper Landing haben wir uns nach Seward aufgemacht, wo eine ganztägige Wal- und Gletschertour auf uns wartete. Das Wetter war immer noch sehr durchzogen, der Himmel war wolkenbehangen und es windete. Wir machten uns also früh morgens auf den Weg zum Check-In der Tour. Es waren schon einige Leute vor Ort. Die nette Dame am Empfang teilte uns mit, dass die See stürmisch sei und falls wir möchten, wir die Tour einen Tag verschieben könnten, oder das Geld zurückerstattet bekommen. Wir sind beide nicht unbedingt seefest, also überlegten wir kurz was wir tun sollten, entschieden uns dann aber doch dafür die Tour zu machen, wir hatten noch Tabletten gegen Seekrankheit gekauft.

Man kann auch Halbtagestouren buchen, es empfiehlt sich jedoch eine Ganztagestour zu machen, den nur mit diesen Touren kann man auch die Gletscher in den Fjorden zu Gesicht bekommen. Wer jedoch leicht seekrank wird, sollte dies eher bei gutem Wetter in Angriff nehmen, den die Ausflugsboote müssen auf ihrem Weg zu den Fjorden ein Stück offenes Wasser überqueren. Auch beim Boarding wurde nochmals gefragt ob man mitkommen wolle, man hatte immer noch die Chance auszusteigen, da war es mir schon ein wenig mulmig zu mute, wir nahmen noch gleich die zweite Tablette und setzten uns möglichst weit hinten im Schiff hin.

Auf dem Weg in die Aialik Bay liegen mehrere Felsinseln wie die Rugged Island oder Hive Island, welche von zigtausenden Vögeln und einigen Kolonien von Seelöwen bevölkert werden. Danach ging es ins offene Meer für ca. 20min meinte der Kapitän. Wir konzentrierten uns so gut es ging auf den Horizont damit uns nicht schlecht wurde und es hat tatsächlich geklappt. Die Wellen waren hoch und die See rau es war fast wie Achterbahn fahren. Die Fahrt hatte sich mehr als nur gelohnt.

Die See wurde wieder ruhiger, da wir wieder im geschützten Wasser waren und schon bald hörte man ein wie ein Donnergrollen,das kalben des Aialik Gletschers. Schon bald kommen wir in Sicht des unglaublichen Gletschers. Es gab einen kleinen Imbiss und wir genossen die Umgebung des Fjordes sowie des Gletschers. Wir beobachteten die Möwen und Papageientaucher beim fischen und suchten vergeblich nach Walen. Bald darauf drehte das Boot und wir machten uns wieder auf den Weg zurück. Von meinem Gefühl her war die See noch rauer geworden, doch plötzlich spielte alles keine Rolle mehr, denn der Kapitän machte eine Durchsage dass weiter vorne ein Buckelwal in die Luft gesprungen war.

Einige Wellen später waren wir bei ihm und es war ein faszinierendes Schauspiel, welches man unbedingt einmal erlebt haben muss. Dieser noch junge Buckelwal sprang unzählige Male aus dem Wasser und lieferte uns eine tolle Show, da waren alle so begeistert, dass gleich niemand mehr seekrank war. Etwas später und schon fast wieder im geschützten Wasser haben wir noch einige Seelöwen auf Felsen gesehen, welche das schlechte Wetter ausharrten. Wow, war das eine Fahrt!

Eine knappe Stunde vor Seward machten wir noch einen Stopp auf Fox Island, wo wir gemütlich ein leckeres Abendessen genossen. Am Ende des Tages waren wir froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben, waren aber auch glücklich die Tour gemacht zu haben, denn es war wirklich einmalig!