Abenteuer Nordamerika | Teil 12

REISEBERICHT - Unsere Mitarbeiterin Nicole Schmidt bereiste mit dem Camper den Nordamerikanischen Kontinent von Juni bis September 2018, im Teil 12 geht es über den Top of the World Highway zurück in den Yukon bis in die Goldgräberstadt Dawson City.

 

Top of the World Highway & Dawson City

Nach diesen eindrucksvollen Kilometer durch die Berge führte uns jetzt der Weg durch eine schnurgerade Strasse von Delta Junction bis nach Tok. Von Tok aus geht es über den Top of the World Highway nun nordwärts. Den letzten Ort vor der Grenze zu Kanada in welchem wir nochmals tanken nennt sich Chicken, da muss man nur schon halten wegen dem Namen.

Wir fahren die Schotterstrasse weiter bis an die Grenze. Die Fahrt raubte uns wieder einmal den Atem und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Daher also der Name: Top of the World Highway, wir fühlten uns wie am höchsten Punkt der Welt und sahen hunderte Kilometer weit über tiefere Bergketten. Nun, der etwas Nerven kostende Grenzübertritt war überstanden und diese einmalige Strecke führte uns bis nach Dawson City.

Um zur Stadt zu gelangen muss von der Westseite her der Yukon River per Fähre überquert werden. In Dawson City angekommen informieren wir uns im Visitor Center über die Aktivitäten und erfreuten uns bereits an der traditionellen Kleidung der Angestellten, wie Ende des 19. Jahrhunderts. Neben der Kleidung wurden auch unzählige Gebäudefronten gehalten wie zur Zeit des Goldrausches.

Die Stadt entstand nach dem Goldfund 1896, respektive nach Verbreitung der Nachricht des Fundes. 100 000 Menschen machten sich auf den Weg um im Klondike nach Gold zu suchen doch nur 30 000 davon sind angekommen. Über den Chilkoot Trail nach Dawson zukommen war ein Weg der viele gewählt haben, diesen kann man auch heute noch als Trekking machen.

In zwei Jahren wurde aus einem Stück Land wo als Fischcamp diente für die First Nations eine Metropole. Geschäfte und Hotels eröffneten, Saloons und Tänzerinnen gab es. Schon nach kurzer Zeit waren hier die neuesten Kleider aus Paris zu erstehen, Möbel aus England und feinste alkoholische Getränke und Speisen. Doch schon etwas später wurde in Nome, Alaska der nächste grosse Goldfund gemacht und die meisten Menschen zogen weiter. Nur wenige Einwohner blieben in Dawson, nach dem grossen Brand des Downtown Hotels und der Überschwemmung in 1979 schien eine neue Geisterstadt zu entstehen. Doch glücklicherweise stieg der Goldpreis erneut und viele Minenarbeiter kehrten zurück mit modernen Geräten um noch die letzten Reste des Goldes aus der Erde zu ziehen. Auch heute wird am Klondike noch professionell nach Gold gesucht. Heute leben in Dawson City um die 2200 Menschen. 


Wir entdeckten die Stadt zu Fuss mit einem Audioguide auf der Historic Downtown Tour und hörten so einige Geschichten vom Goldrausch. Parks Canada bietet einige Führen, welche mit kurzen Sketchs unterhalten werden, in die historischen Gebäude an. Die historischen Gebäude sind aber nicht die einzigen, welche noch so aussehen wie damals. Die ganze Stadt sieht aus wie ein Museum, nur das es keine Geisterstadt ist, sondern die Hotels und Geschäfte einfach so aussehen. Wenn man so durch die Strassen schlendert, fühlt man sich wie zurückgesetzt in der Zeit.

 


Ein zweites Visitor Center erregte uns Neugierde, im Yukon steht ein Northwest Territories Visitor Center, vielleicht haben sie hier gute Infos für uns, den wir wechseln bald das Territorium. Wir wollen bis ans Polarmeer fahren. Schlechte Nachrichten lassen uns allerdings leer schlucken. Auf dem Dempster Highway verkehren zwei Fähren. Ohne diese kann der Highway nicht bis nach Inuvik und schlussendlich bis Tuktoyaktut gefahren werden. Eine davon stellte ihren Dienst bis auf weiteres ein aufgrund des vielen Wassers. Die Wettervorhersage versprach auch keine grossen Besserungen. Wir machten uns also auf, Dawson City zu erkunden und hofften das die Fähre in den nächsten Tagen wieder ihren Betrieb aufnehmen würde.

Am Yukon River wurde ein alter Schaufelraddampfer ausgestellt, leider ist dieser Momentan nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, es wird sorgfältig eine Sprinkleranlage eingebaut. Ein nächstes Highlight ist der Nachbau eines Schaufelraddampfers der allerdings mit einem Dieselmotor ausgestattet ist, aber die Fortbewegung ist wie damals, links und rechts grosse Schaufeln. Damit kann heutzutage eine Tour auf dem Yukon River gemacht werden.


Das ist aber noch lange nicht alles was es in Dawson zu entdeckten gibt. Wir fahren auf den Dome und geniessen eine eindrucksvolle Sicht auf die Stadt und die Umgebung. Fahren auf der Bonanza Road bis zu einer stillgelegten und restaurierten Dredge (Schwimmbagger) die wir mit einer geführten Tour besuchten. Damit wurden zu Spitzenzeiten pro Tag 800 Feinunzen Gold aus dem Erdreich befördert. Diese Maschinen zerstörten aber zweifelsohne auch die Natur. Interessant war die Art und Weise wie eine Dredge funktionierte, wie sie sich bewegte und arbeitete. Für die benötige Energie entschied man sich für Strom welcher Hydrokraftwerke lieferten.

Genug vom ganzen Goldrausch gehört, packte auch uns das Goldfieber und wir versuchten unser Glück beim Goldwaschen. Gekonnt und mit viel Gefühl wuschen wir den Teller nach und nach sauber und siehe da, beide finden wir etwas Gold.


Auch am Abend zieht es uns wieder in die Stadt. Nach dem Essen in einem griechischen Restaurant, besuchten wir das Casino, wohl das meist besuchte und beschäftigte Gebäude abends. Wieder geniessen wir den Anblick altmodisch gekleideter Angestellter. Eine Show unterhält die Besucher mit 3 Aufführungen pro Abend. Die erste im Stil Ende 19. Jahrhunderts, die Zweite anfangs 20. Jahrhundert und die letzte Show zeigt sich sehr modern, in der Kleidung, Tanz und Musik. Ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus. Zwischen den Shows versuchen wir unser Glück an den Spielautomaten.

Das Glück im Casino war nicht auf unserer Seite, dafür aber das Glück, dass die Fähren auf dem Dempster Highway wieder planmässig fuhren. Wir machten uns also auf den Weg, den Dempster Highway hochzufahren bis Inuvik und dann weiter bis nach Tuktoyaktuk, die einzige Strasse in Kanada die über den Polarkreis geht und am arktischen Meer endet.