Yukon & Alaska | Teil 4

REISEBERICHT | Durch die Southern Lakes Region via Skagway, Haines und Haines Junction endet das Abenteuer in Whitehorse, der Hauptstadt des Yukons.

Reisebericht Nr. 4

Dies ist nun schon der vierte und letzte Reisebericht – die 4 Wochen neigen sich dem Ende zu...

In Watson Lake auf dem teuren, unattraktiven Campground haben wir einen gemütlichen Vormittag verbracht mit etwas länger liegenbleiben, Zmörgelen und dann noch einiges im Internet nachschauen, da es ja inbegriffen war. Danach haben wir uns den Sign Post Forest, den Schilderwald, angesehen – Tausende von Strassenschildern gibt es da zu bestaunen, praktisch von überall auf der Welt – das Ganze hat um 1942 herum angefangen, als die Strassenbauer auf Schilder die Ortschaften und die Distanzen ihrer Heimatstadt schrieben. Nach und nach haben immer mehr Leute Strassenschilder aufgehängt und mittlerweile ist es ein bekannter Brauch, dass man nach Watson Lake ein Schild aus seiner Heimat mitbringt und dies dann hier aufhängt (es gibt diverse gelbe Wanderwege, welche nun wohl irgendwo in der Schweiz fehlen..). Wir haben uns das Ganze nur angesehen, verewigt haben wir uns nicht.

Danach fuhren wir langsam westwärts in die Region der Southern Lakes, wo wir eine Zwischenübernachtung einlegten, bevor dann eine sehr schöne Fahretappe auf dem Programm stand – die Fahrt auf dem South Klondike Highway – den ersten Teil der Strecke habe ich schon einmal abgefahren, so konnte ich meiner Mum den wunderschönen Emerald Lake, welcher in den verschiedensten Blautönen schimmert, zeigen und sie dann auf einen Ausflug in die Wüste mitnehmen – wie aus dem Nichts und völlig fehl am Platz taucht plötzlich eine Sandwüste auf – allerdings ist es keine richtige Wüste, da es dazu heiss und trocken sein müsste – diese Sandwüste ist durch die schmelzenden Gletscher entstanden. Wir haben dann einige der Dünen erklommen – der Sand war fast feiner als an manchem Mittelmeerstrand - und einige Fotos gemacht – im Vordergrund die Sandwüste, im Hintergrund die mit Schnee bedeckten Berge – irgendwie skuril….

Auf diesem Streckenabschnitt habe ich beim letzten mal einen Schwarzbären beobachten können, der genüsslich in einer Blumenwiese lag und gelbe Löwenzahnblüemli verzehrte. Auf diese Begegnung habe ich dieses mal auch wieder gehofft und bei jedem Büschel Löwenzahn haben wir besonders gut geschaut, ob nicht doch irgendwo der Bär darin «versteckt» ist. So schön wie damals haben wir leider keinen Bären zu Gesicht bekommen – wir sahen aus der Distanz und jeweils nur für wenige Sekunden auf zwei verschiedenen Strassenabschnitten einen Schwarzbären, der rannte aber immer gleich davon, wenn wir abbremsten und an den Strassenrand fuhren.

Aber plötzlich, wir waren von einem Fotostopp grad wieder eingestiegen und ca. 10 Meter gefahren, taucht am linken Strassenrand ein Bär auf – ich fahre sofort links ran, halte an, Fenster runter – oh, da ist ja noch ein Baby Bär dabei… und huch, da ist noch ein zweites Baby – also eine Bärenmama mit 2 Jungen, die noch ziemlich klein waren. Ich konnte 2,3 Fotos machen und  konnte dann zuschauen, wie die Bärenmutter hinter Juliet über die Leitplanke «hüpfte» und quer über die Strasse rannte – das erste Bärenjunge schaffte es relativ locker auch über die Leitplanke und rannte kurz nach der Mama über die Strasse – das zweite Junge hatte dann allerdings etwas Mühe mit der Leitplanke und verlor fast den Anschluss, es schaffte es dann aber doch, über das Hindernis zu kommen und zu den anderen beiden aufzuschliessen. Auf der rechten Strassenseite verschwand die Bärenfamilie dann in den Büschen. Das war cool – leider hat meine Mum das Ganze nicht wirklich sehen können, da sie im Auto auf der falschen Seite sass.

Danach ging es weiter, entlang dem Bennet Lake und dann langsam aber stetig bergauf – die Strasse windete sich entlang von Felsen, Bächen, Seen und Bergen und immer wieder war die Aussicht sehr schön und es boten sich verschieden Stopps an. Da ich wusste, dass wir Heute nochmals die Grenze passieren und nochmals nach Alaska (USA) fahren würden, habe ich das Feuerholz schon am Morgen im Koffer verstaut und wiederum nur 3-4 Holzscheite offen liegen lassen, welche ich notfalls entbehren kann. Kurz vor der Grenze haben wir dann noch schnell unsere Früchte und Gemüse in den Tiefkühler gelegt und dann näherten wir uns dem Grenzposten. Das Herz pöperlte wieder etwas schneller und die Amis sind am Zoll halt einfach nochmals spezieller als die Kanadier. Der erste Grenzbeamte, der unsere Pässe entgegennahm, war etwas mürrisch und ich hatte schon etwas Bedenken. Er sagte dann, dass wir durchfahren und nach dem Gebäude parkieren und im Auto warten müssen, es käme dann ein Kollege zu uns raus. Nach einigen Minuten kam dann auch ein anderer Grenzbeamte raus, übergab uns die Pässe und fragte, ob und was wir an Esswaren dabeihaben – er wollte dann einen Blick in unseren Kühlschrank und Tiefkühler werfen – beim Fleisch, Gemüse und bei den Früchten hat er die Aufkleber mit der Herkunft angeschaut – das Meiste ist zum Glück «product of the USA», so dass es kein Problem ist – einzig die Tomaten waren ihm zu «kanadisch», die mussten wir abgeben. Danach folgte die obligate Frage nach dem Feuerholz und meine obligate und wahrheitsgetreue Antwort ja, wir haben Feuerholz dabei – er wollte nun das Holz sehen und ich glaube, er musste sich ein Lachen verkneifen, als er den mickrigen Bestand an Holz, den ich im Auto hatte, sah. Das konnte er locker mit einer Hand wegtragen und ich konnte locker hinterherschauen und mir ebenfalls ein Lachen verkneifen…

Ich glaube, meine Mum hat Blut und Wasser geschwitzt, in der Zeit, in der ich dem Grenzbeamten alles gezeigt und erklärt habe… ich konnte den Stein der Erleichterung, der bei ihr runterfiel, fast plumpsen hören…. Aber natürlich war auch ich froh, dass es so reibungslos ging. Wobei die Tomaten, die wir abgeben mussten, reduzierten unseren Menuplan drastisch – wir hatten eh schon ein spärliches Menu in Aussicht – da wir vergessen hatten, am Vorabend oder am Morgen feine Steaks aus dem Tiefkühler zu nehmen, wussten wir, dass es nichts würde mit Grillieren. Also war das Menu fast gegeben mit Pasta und einer Sauce mit Rüebli, Tomaten, Rahm und Käse – aber nun fielen die Tomaten weg – da bleibt nicht mehr allzuviel übrig. Und das Wetter war so schön und mild, dass wir eigentlich wirklich grillieren sollten. Da wir nun eh praktisch in Skagway waren, haben wir vor der Fahrt auf den Campingplatz noch einen kleinen Umweg ins Städtli gemacht – wir wollten im Supermarkt etwas zum Grillieren kaufen – aber ach herrje, der Supermarkt schliesst am Sonntag um 16.00h – das waren wir uns gar nicht gewohnt – normalerweise sind die Supermärkte sehr lange, teilweise sogar rund um die Uhr, geöffnet – aber hier in Skagway am Sonntag nur bis 16.00h…. Wir haben es dann noch in einem kleinen Lädeli versucht, aber da gab es nichts, was zum Kochen verwertet werden könnte. Also bleibt es doch bei Pasta, Rüebli und Rahmsauce – kurz vor der Abzweigung zum Campingplatz sehen wir noch ein Schild «natural food» und, fast noch wichtiger, ein Schild mit «open».

In der Not frisst der Teufel Fliegen, wir gehen in den total alternativen und nach Reformhaus duftenden Bioladen, auf der Suche nach etwas Essbarem. Fleisch ist natürlich Fehlanzeige, viel zu ungesund für den Bioladen… wir stehen vor den Regalen mit all den Bioprodukten und kommen uns etwas hilflos vor. Wir entscheiden uns dann für eine Zucchetti und 2 Tomaten, um unsere Pasta doch wieder etwas vielseitiger zu gestalten – den Plan vom Grillieren haben wir in diesem Moment endgültig begraben.
Danach gings dann doch auf den Campingplatz und für einmal mussten wir beim Aussuchen des Stellplatzes nicht darauf achten, ob es eine gute Feuerstelle hat. Wir konnten uns darauf konzentrieren, einen Platz mit ebenem Boden und einem Tisch mit Abendsonne zu finden…

Vor dem Znacht wollte meine Mum gerne noch kneippen, also sind wir zum direkt beim Campingplatz vorbeifliessenden Fluss, wo meine Mum dann ins kalte Wasser stand. Ich schaute aus sicherer Entfernung zu – das Kneippen ist nichts für mich. Aber ich hatte plötzlich die Idee, dass ich vielleicht hier im Fluss die Haare waschen könnte und ich sah auch eine geeignete Stelle – also bin ich kurz zurück zum Camper, um Shampoo und Handtuch zu holen und danach habe ich mich bei einem am Ufer liegenden Baumstamm flach auf den Bauch gelegt und den Kopf quasi über den Baumstamm heraus ins Wasser getaucht – ou läck, war das kalt… das Ausspülen nach dem Shamponieren war also mehr als grenzwertig – saukaltes Wasser, ich glaube, es haben sich fast Frostbeulen gebildet auf der Stirn… und die Bauchmuskeln konnte ich auch noch grad trainieren mit dieser Bauchlage.. aber es hat irgendwie funktioniert. Meine Mum war dann ebenfalls so verrückt, um ihre Haare so zu waschen – ich habe einige Fotos gemacht – Ferien, in denen sie etwas erleben…. Das anschliessende Znacht war dann fein und die Bio-Zucchetti und die Bio-Tomaten haben natürlich das gewisse Etwas dazu beigetragen…

An nächsten Morgen wagten wir uns ins Getümmel – wir verbrachten einige Stunden in Downtown Skagway – das ist an und für sich nur ein kleines, herziges Städtchen, das auch hauptsächlich von seiner Geschichte aus der Goldrauschzeit lebt. Aber Achtung – in Skagway halten auch die grossen und grösseren Kreuzfahrtschiffe und dann platzt das Kaff aus allen Nähten. Und es gibt wohl keinen Tag, an dem nicht mindestens ein grosses Schiff vor Anker liegt. Während unserem Besuch waren deren 4 vor Ort – pro Schiff locker mindestens 2000 Passagiere – das heisst, die Gassen waren voll mit Touristen und die wenigen Shops waren dermassen überbevölkert, dass man die Ellbogen ausfahren musste, um voranzukommen… Wir haben das Ganze einige Zeit lang mitgemacht und immer wieder mit Freude an die ruhigen Abende auf einsamen Campingplätzen gedacht…
Da wir am Abend um 18.15h auf die Fähre wollten und es danach für die eine Hälfte des Reiseduos zu spät zum Kochen geworden wäre, hatten wir schon im Vorfeld den Plan ausgeheckt, vor der Fährenfahrt einen feinen Burger zu essen. Zumindest ich habe mich schon den ganzen Tag darauf gefreut. 2 Stunden vor dem Einchecken auf der Fähre suchten wir ein passendes Restaurant aus und gingen rein und fragten nach einem Tisch. Die nette Dame am Empfang teilte uns mit, dass wir ohne Reservation ca. 1 Std warten müssten… das Lokal war voll mit Touristen und wir hatten nicht die Zeit und Lust, eine Stunde zu warten und haben uns an den Vorabend erinnert, als wir nichts zum Znacht gefunden haben. Irgendwie war uns Skagway Essenstechnisch nicht gut gesonnen. Wir haben dann die Strassen abgeklappert nach einem anderen Restaurant und schlussendlich fanden wir einen Saloon mit Bar, lauter Musik, einer Speisekarte mit Burger und freien Tischen – also nichts wie rein. Der Burger war gut (wie erwartet) und hat sein Soll erfüllt (1x pro Reise muss es sein..).

Frisch gestärkt ging es anschliessend zum Fährenterminal. Dort mussten wir ca. 1,5 Std. in der Schlange der Fahrzeuge stehen, bis es aufs Schiff ging. Es folgte eine leichte Herausforderung für mich und Juliet… ich musste rückwärts, durch den ganzen Rumpf des Schiffes und durch rechts und links parkierte Fahrzeuge zirkeln und es war nicht etwa breit... Ein «Einweiser» war schon die ganze Zeit dabei und hat mir genau gesagt und gezeigt, wie und wo ich reinrollen soll. Zuerst stand er schön neben meinem Aussenspiegel, das war noch einigermassen locker. Danach sagte er, dass er nun hinter Juliet steht und mich einweist und ich soll ihn im Spiegel beobachten – das tat ich dann und ich tat nur das – als ich merkte, dass ich in eine Linie in der Mitte manöveriert wurde und rechts uns links Fahrzeuge standen, habe ich wirklich nur noch in den Spiegel geschaut und mich darauf konzentriert, was der Einweiser mir für Zeichen gab – Juliet ist immerhin gut 7 Meter lang, knapp 4 Meter hoch und auch nicht unbedingt schlank… nach einer gefühlten Ewigkeit war ich dann an meinem Standplatz und konnte durchatmen und den Motor abstellen. Meine Mum hat mucksmäusschenstill auf dem Beifahrersitz gesessen und geschwitzt für zwei… ich habe erst beim Aussteigen gemerkt, dass ich auch etwas weiche Knie hatte.

Die Fährenüberfahrt ging dann ruhig und gemächlich und dauerte nur ca. 1 Stunde und das Runterfahren war dann ein Klacks – ich konnte vorwärts rausfahren, ohne grosse Wende- und Steuermanöver.

Wir fuhren dann noch ca. 10 Kilometer bis zu einem einfachen Campingplatz am Chilkoot Lake – dort soll es jeweils Bären haben, hauptsächlich im Juli/August, wenn der Lachs den Bach hinein schwimmt. Aber ich hatte die Hoffnung, dass sich vielleicht auch jetzt im Frühling der eine oder andere Bär dahin verirrt. Überall waren Warnschilder angebracht und nachdem wir für Juliet einen Standplatz ausgesucht und parkiert hatten, gingen wir zu Fuss zum Bach runter – direkt neben unserem Standplatz hatte es Bärensch…., also muss es schon Bären haben… Leider haben wir aber dann keine Tiere gesehen. Meiner Mum hab ich noch gesagt, sie soll dann jeweils zuerst nach links und rechts schauen, wenn sie aus dem Camper aussteigt (ich öffnete auf einer früheren Reise auch schon einmal am Morgen die Tür und blickte in 2 Bärenaugen…). Ich glaube, diesen Ratschlag hat sie sehr ernst genommen, als wir am nächsten Morgen abfahrtsbereit aus dem Wohnteil ausstiegen, blieb sie auf dem Trittbrett stehen und ich dachte schon, sie habe noch etwas drinnen vergessen – aber nein, sie schaute nur genau nach rechts und nach links, bevor sie die 3 Tritte runterging. Wie man es in der Schule lernt – luege, lose, loufe….
Leider sahen wir auch beim nochmaligen Entlangfahren am Bach keinen Bären – schade…

Am Morgen nahmen wir es in Haines noch gemütlich mit Einkaufen, Mails checken und Duschen, bevor wir dann langsam wieder Richtung kanadische Grenze fuhren – das Feuerholz habe ich seit dem letzten Grenzübertritt nicht gebraucht und auch gar nicht aus dem Koffer genommen und ich war gewillt, diesmal dem Grenzbeamten zu sagen, dass wir kein Feuerholz dabeihaben. Schon fast entspannt fuhren wir zum Zollhäusschen, zeigten unsere Pässe und waren auf die Fragen aller Fragen vorbereitet – aber sie kam nicht… dieser Grenzbeamte wollte nur wissen, ob wir Waffen dabeihaben. Alles andere war ihm sowas von egal…. Nun gut, dann musste ich auch nicht lügen, war mir auch recht. Die Fahrt von Haines nach Haines Junction führte wieder über einen Pass, aber das Wetter war leider nicht ideal, so dass es stellenweise Nebel hatte wie bei uns in der Schweiz im November – Sicht unter 20 Meter. Später lockerten die Wolken etwas auf und wir konnten die Umgebung erkennen. Wir fuhren dann bis zum Dezadeash Lake am Rande des Kluane Nationalparks. Dort wählten wir einen Stellplatz direkt am See und dachten, es sei noch gemütlich, da draussen zu sitzen und auf den See zu schauen – aber es war dann doch nicht so gemütlich – plötzlich frischte der Wind auf und es blies unseren Camper fast fort – es war dann wieder Grillieren unter erschwerten Bedingungen –  kaum war das Fleisch auf dem Grill, tröpfelte es auch noch… das Essen war dann aber trotzdem fein.

Für den nächsten Tag hatte ich eine Wanderung im Kluane Nationalpark herausgesucht – nichts verrücktes, kein grosser Höhenunterschied – Wanderung zu einem See, total 7,2 Km – ich will dann in Whitehorse noch eine Wanderung mit Aufstieg machen und habe dies deshalb einfach als Aufwärmtraining gewählt. An diesem Morgen klagte meine Mum über Halsweh und Husten, war aber gewillt, die Wanderung zu machen und sie lief dann auch tapfer hinter mir her. Beim See machten wir einen kurzen Foto- und Trinkstopp, dann gings langsam wieder zurück zum Auto. Gemäss meinen Recherchen war mein Plan, dann ca. 1 Std zu fahren und dann noch einen kürzeren Weg auf eine Gletschermoräne zu laufen. Ich sagte meiner Mum, sie könne nun im Auto einen Powernap machen, bevor wir den zweiten Hike in Angriff nehmen – wir fuhren ca. 10 Minuten, dann kam schon das Schild mit dem Hiking Trail – irgendwie habe ich mich auf der Karte verschaut und die Distanz war deutlich kleiner… ich fragte meine Mum, ob es ok ist, wenn wir halt jetzt schon wieder laufen – sie nickte und schnürte wieder die Wanderschuhe. Dieser Weg ging dann stetig bergauf und ich merkte, dass sie etwas kämpfen musste – sie folgte mir aber tapfer über die Geröllhalde. Wir machten dann aber nicht den ganzen Aufstieg, es hatte so keinen Sinn und sie sah auch nicht wirklich happy aus..

So fuhren wir dann weiter nach Haines Junction und da dies nur noch 160 km von Whitehorse entfernt liegt, gab es für mich nun endgültig kein Halten mehr und so fuhren wir diese letzte Etappe noch ohne Pause durch und passierten um 19.00h das Ortsschild von Whitehorse – mein Herz schlug wieder schneller und mir kam gleich alles so vertraut vor… es sind zwar schon 7 Jahre her, seit ich hier gearbeitet habe, aber ich hatte sofort alles wieder in bester Erinnerung. Da es aber schon relativ spät war, wir noch nichts gegessen hatten und es meiner Mum nicht so gut ging, liessen wir die Stadt noch links liegen und fuhren direkt auf den Campingplatz, welcher ca. 15 Min ausserhalb liegt. Dort konnten wir gerade noch den allerletzten Platz schnappen – ich war fast etwas überrascht, dass es so voll war – aber ich war überzeugt, dass wir am nächsten Morgen dann einen Platz aussuchen können für die letzten Nächte, da die meisten nach einer Nacht wieder weiterziehen.
Da es meiner Mum an diesem Abend wirklich nicht gut ging, legte sie sich früh hin und ich sass plötzlich alleine da – 15 Minuten von «meiner» 2. Lieblingstadt (nach Bern selbstverständlich) entfernt und doch nicht wirklich da – irgendwie nah und doch so weit…

Ich kam mir vor, wie ein Rennpferd, dass vor dem Start nervös am Boden scharrt und auf den Startschuss wartet oder wie ein Hund, der freudig und erwartungsvoll vor der Tür wedelt, während Herrchen die Schuhe anzieht…

Nachdem wir uns am nächsten Morgen dann wie erwartet einen schöneren Stellplatz aussuchen konnten und diesen gleich bis Sonntag reserviert haben, ging es endlich in die Stadt – beim Ortsschild machte ich einen ersten Stopp und musste sogleich das Schild «umarmen». Meine Mum ist dann auch noch für ein Erinnerungsfoto vors Schild gestanden – hat auch gut ausgesehen, aber deutlich weniger emotional…

Danach sind wir am Ufer des Yukon Rivers entlanggeschlendert, ich habe meine Mum durch die Main Street und die 2 weiteren Strassen, die zu Downtown gehören, geführt, wir haben in meinem Stammcafé von damals einen Cappucchino getrunken und zum Schluss noch den Walmart gestürmt – voller Tatendrang war ich bereit, nochmals einige Kleider zu kaufen – aber ohalätz, das war grad ein ziemlicher Reinfall – wahrscheinlich wird im Walmart aktuell von der Frühlings- auf die Sommerkollektion umgestellt und in den Regalen herrschte gähnende Leere… das wenige, was noch da war, gefiel mir nicht… somit gingen wir unverrichteter Dinge wieder raus. Da der Walmart hier 24 Std geöffnet hat, habe ich die Hoffnung, dass vielleicht in einer Nacht- und Nebelaktion alle Regale aufgefüllt werden und wir in den nächsten 2 Tagen doch noch ein grösseres Sortiment vorfinden... Ich habe auch noch mit 2 Leuten, die ich noch kenne, Kontakt aufgenommen – mit einer Kollegin hatte ich schon so provisorisch abgemacht und habe nun geschrieben, dass ich vor Ort bin und wann wir uns treffen – von den ursprünglich vorgesehenen Terminen war schon wieder keiner mehr wie vorgesehen und ich erinnerte mich sofort wieder an meine Zeit hier zurück – da läuft es eben etwas anders mit Abmachen und Vereinbarungen – das ändert noch 7x und pünktlich ist dann sowieso niemand – ok, ok, ich sollte es ja wissen… aber eben, es sind 7 Jahre vergangen und ich bin halt wieder im Schweizer Bünzli-Modus…

Schlussendlich hat es dann doch noch spontan geklappt und die Kollegin kam auf den Campingplatz zum Grillieren. So konnten wir einen gemütlichen Abend verbringen und uns gegenseitig auf den aktuellen Stand bringen, was bei mir und bei ihr so gelaufen ist in den vergangenen Jahren.

Der 2. Kollege, den ich angeschrieben habe, verbringt den Sommer in Dawson City – klappt also auch nicht mit Treffen – wobei da bin ich nun leider selber schuld, da ich mich nicht früher bei ihm gemeldet habe – wir wären ja in Dawson gewesen vor ca. 1 Woche… Tja, shit happens.

Nun verbringen wir die allerletzten Tage noch hier in der Umgebung von Whitehorse. Ich kenne noch einige Wander- und Spazierwege und ich will meiner Mum auch noch zeigen, wo ich damals gewohnt habe und wo ich gearbeitet habe. Mittlerweile sind wir wieder zu viert – mein Götti ist nun auch in Whitehorse eingetroffen und wir konnten uns die Erlebnisse der vergangenen 10 Tage erzählen. Es gilt nun noch, alle Vorräte aufzuessen, alles wieder irgendwie und irgendwo einzupacken, die Fahrzeuge für die Abgabe vorzubereiten und dann am Sonntag die Heimreise anzutreten.

Es waren 4 tolle Wochen mit vielen Erlebnissen, vielen Fahrkilometer, meist gutem Wetter, leider nicht allzuvielen Tieren, zum Glück aber auch nicht vielen Moskitos.. nun sind wir aber schon auch bereit, um wieder nach Hause zu kommen – es gibt da ja schliesslich sowohl für meine Mum wie auch für mich jemanden, der auf uns wartet… und so langsam fehlt mir meine schwarze Fellnase schon ein bisschen…

Tanja & Irma