08.04.2026

Reisebericht | Missouri - St. Louis & Kansas City

Vorab: Fachmesse in Chicago

Die ersten Tage meiner Reise stehen ganz im Zeichen von Austausch, Geschäftsterminen und viel neuem Input. An der grössten Tourismus-Fachmesse der USA lerne ich unzählige neue Produkte aus dem ganzen Land kennen und treffe bestehende Partner.

1.-2. Tag: St. Louis

Frühmorgens startet unser Abenteuer «The Tale of two Cities» in Missouri mit einem Southwest Flug ab dem Chicago Midway Airport. Als internationaler Reisender bin ich schon mehrmals über den grösseren O’Hare Flughafen verkehrt – spannend mal über den etwas zentraleren und vor allem auf Inlandflüge ausgelegten Midway Airport Chicago’s zu reisen. Spannend war auch die Sitzplatzzuweisung bei der Airline Southwest: Statt wie gewohnt vor Einstieg einen zugewiesenen Sitzplatz auf dem Boarding-Pass zu finden, gilt hier das Prinzip «freie Platzwahl». Dieses Prinzip gilt aber nur noch bis Ende 2025, ab Januar 2026 gibt es dann wie bei den allermeisten anderen Airlines einen zugewiesenen Sitzplatz. Der Flug mit Southwest – ein Low-Cost-Carrier und somit eine Art Pendant zu EasyJet in Europa – war angenehm und sehr kurz, liegen die beiden Städte doch nur ca. 50-55 Flugminuten auseinander.

Angekommen an der Ostgrenze von Missouri werden wir von der lokalen Reiseleitung von Explore St. Louis herzlich empfangen und nehmen sogleich unsere Plätze im Minibus für die nächsten Tage in Beschlag. Next Stop: Breakfast at Snarf’s! Es gibt Sandwiches oder Bagels mit Eiern, Käse und Speck, dazu klassisch amerikanischen Filterkaffee in heissen und kalten Variationen. Ideal für den Start in den Tag, einen Snack zwischendurch oder einen Besuch am Gameday; in der Stadt ist nämlich neben dem NHL-Team St. Louis Blues auch eines der erfolgreichsten und traditionsreichsten Baseballteams beheimatet – die St. Louis Cardinals. Gleich gegenüber von Snarf’s erwartet uns das erste Highlight: Das National Blues Museum. Wir erhalten eine Führung und lernen viel über die Entwicklung des Blues in St. Louis, die vor allem am Anfang des 20. Jahrhunderts während der Migration vieler afroamerikanischer Menschen in Richtung Norden ihren Lauf genommen hat. Der besonders von Klavier geprägte Stil brachte viele hervorragende Künstler*innen wie Mary Johnson, Bessie Smith oder W.C. Handy hervor und stellt eine Art Bindeglied zwischen dem südlicheren Delta-Blues und dem späteren Rhythm & Blues dar. St. Louis Blues ist leicht, tanzbar und rhythmisch – oft mit jazzigen Elementen versehen und für seine Zeit sehr emanzipatorisch, sei es im Hinblick auf kulturelle und gesellschaftliche Standards, aber auch in Bezug auf bürgerlich-traditionelle Frauenrollen.

Traditionelle Vorstellungen an ein Museum mag das «City Museum» auf den Kopf zu stellen. In einem ehemaligen Schuhfabrikgebäude untergebracht, verbindet es Kunst, Architektur und Spielspass für Gross und Klein. Seien es Tunnelsysteme, Bällebad, Rutschen, Höhlen, eine Pinball (Flipperkasten)-Halle oder die offenbar grösste Unterhose der Welt. Auf dem Dach gibt es ein Riesenrad, Klettergerüste und einen ikonischen gelben Schulbus, der über den Rand des Gebäudes hängt. Anfassen, Klettern und Spielen ist hier ausdrücklich erwünscht! Die meisten Installationen wurden übrigens aus verschiedenen Fundsachen und Abfall-Produkten aus der ganzen Stadt hergestellt.

Nach dem Lunch, welchen wir im aufstrebenden Entertainment-Viertel «City Foundry» geniessen, geht die Entdeckungsreise weiter zur Cathedral Basilica of St. Louis. Die Kathedrale ist ein herausragendes Beispiel für religiöse Kunst und Architektur in den USA und beherbergt die weltgrösste Mosaiksammlung ausserhalb Russlands. Rund 41.5 Millionen Glassteinchen in über 7'000 Farben und 38 Goldtönen bedecken praktisch den gesamten Innenraum des Gebäudes und lassen Besuchende mit staunenden Blicken und starren Nacken zurück. Kein Wunder, dauerte die Fertigstellung insgesamt 76 Jahre – definitiv ein Must-See in St. Louis!

Mehr über die reiche Geschichte der Stadt erfahren wir anschliessend im History Museum und tags darauf beim Besuch des ikonischen Gateway Archs. Doch zuerst sehen wir eine traurige und etwas aktuellere Episode – im weitläufigen Forest Park sind die Auswirkungen eines kürzlich vorbeigezogenen Tornados noch gut sichtbar; umgeknickte Bäume und abgedeckte Hausdächer säumen den Weg. St. Louis liegt zwar nicht ganz im Zentrum der «Tornado Alley», muss sich aber immer wieder mit den Bedrohungen von Wirbelstürmen herumschlagen. Die sehr oft von Tornados heimgesuchten Gebiete liegen weiter westlich – dort, wo spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch unzählige Menschen hinwollten. St. Louis entwickelte sich nämlich mit dem «Louisiana Purchase» von 1803, als die USA den heutigen Bundesstaat Louisiana von Frankreich erwarben und damit die Fläche des Landes auf einen Schlag fast verdoppelten, als zentralen Handels- und Knotenpunkt. Angefangen als Ausgangsort für Erkundungen in das neue Louisiana-Territorium, später als Startpunkt und logistisches Zentrum der Lewis-und-Clark-Expedition an den Pazifik und nicht zuletzt als grossen Umschlagplatz dank der hervorragenden Lage am Zusammenfluss von zwei grossen Strömen; dem Mississippi und dem Missouri River. Dies ermöglichte einen schnellen Transport von Gütern wie Pelzen, Getreide, Holz oder Personen in alle Himmelsrichtungen. Spätestens mit der grossen Siedlerbewegung nach Westen ab ca. 1830 fungierte St. Louis als Hauptstützpunkt – Postkutschen, Dampfschiffe, verschiedene Handelsrouten (Oregon und Santa Fe Trail) und später Eisenbahnen starteten hier ihre Routen – am «Gateway to the West».

Passend zum 100-jährigen Jubiläum des Louisiana Purchase hielt die Stadt St. Louis im Jahr 1904 die Weltausstellung (Expo) ab. Mehr über diese lernen wir im History Museum, welches direkt auf dem ehemaligen Expo-Gelände (Forest Park) liegt. Dinge wie Eiswaffeln, Autos, Dr. Pepper oder Fast Food wurden hier einer breiten Masse vorgestellt, darüber hinaus wurden im selben Jahr die ersten olympischen Spiele in den USA ausgetragen. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt hingegen, der Gateway Arch, wurde erst später in den 1960er Jahren erbaut und symbolisiert die Rolle St. Louis’ als ebenjenes Tor zum Westen. Im hauseigenen Museum sehen wir uns nochmal mit der langen Geschichte der Stadt und der Westexpansion konfrontiert, bevor es in winzigen Aufzügen im Inneren des Bogens bis ganz nach oben geht. Von hier geniessen wir einen atemberaubenden Ausblick über die Stadt auf der einen Seite und über den Mississippi River rüber nach Illinois auf der anderen Seite. Der Besuch des Gateway Arch, welcher zum National Park Service gehört, ist definitiv ein Muss auf der Liste bei einem Besuch in St. Louis.

Bei dieser langen und abwechslungsreichen Geschichte ist es nicht verwunderlich, dass eine weitere Ikone der USA quer durch die Stadt führt – die Route 66. Seit 1965 führt sie am Gateway Arch vorbei, um den langen Weg in Richtung Westen standesgemäss einzuläuten. Entlang der Strasse finden sich nostalgische Tankstellen, Bowling-Alleys, Skulpturen oder Drive-Ins – es strotzt nur so von Americana. Hier kommen wir kulinarisch auf unsere Kosten bei «Ted Drewes Frozen Custard», einer lokalen Kultadresse und Pflichtstopp direkt an der Route 66. Einst gegründet von einem Baseballspieler aus Florida, serviert der Laden «Frozen Custard» - eine Art Glacé mit zusätzlichem Eigelb, um den Geschmack anzureichern und die Konsistenz sahniger und glatter zu machen. Die bekannteste Mischung ist der «Concrete» (Deutsch: «Beton») – Frozen Custard, das so dick gemixt ist, dass der Becher umgedreht werden kann, ohne auszulaufen. Kulinarisch hat die Stadt neben den süssen Versuchungen wie Frozen Custard oder Gooey Butter Cake (Butterkuchen) auch deftige Klassiker wie Toasted Ravioli (frittierte Ravioli), Spare Ribs oder Pizza zu bieten.

Bleiben wir doch noch kurz bei kulinarischen Leckereien – doch dieses Mal in flüssiger Form. Im Süden der Stadt befindet sich nämlich die mit Abstand grösste Brauerei der USA: Die Anheuser-Busch Brewery, bekannt für die Marken Budweiser, Bud Light oder Michelob Ultra. Die Führung durch die riesige Anlage ist beeindruckend – nicht zuletzt wegen den gewaltigen Mengen, die hier produziert werden. Wir stehen vor Tanks, die 3'600 Barell Bier (572'000 Liter) beinhalten, eine unfassbare Menge. Zum Abschluss gibt’s natürlich ein Tasting und dazu nochmal Toasted Ravioli, bevor wir aufbrechen, um quer durch den Bundesstaat nach Kansas City zu reisen. 

3.-4. Tag: Kansas City

Die Stadt am anderen Ende des Bundesstaates liegt ca. 4 Fahrstunden von St. Louis entfernt. Unterwegs ziehen weite Felder, sanfte Hügel und Flusstäler vorbei – typisch für Missouri. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte unbedingt die Ozarks im Süden Missouris besuchen, eine gute Adresse für Outdoor-Aktivitäten wie Wandern oder Bootfahren und eine traditionelle ländliche Kultur. Doch wir reisen direkt weiter nach «KC» und werden von der lokalen Reiseleitung von Visit KC zum Abendessen empfangen. Es gibt Fried Chicken, Mac ‘n Cheese oder Steak bei Rye Plaza direkt in der Stadt.

Obwohl die Stadt direkt an den Bundesstaat Kansas grenzt, liegt der Grossteil der Stadt in Missouri. Nur ein kleiner Stadtteil liegt effektiv im Bundesstaat Kansas (und hat eine eigene Regierung, Abfallentsorgung, Feuerwehr etc.), über 80% der Stadt gehört zu Missouri. Dafür gibt es mehrere Gründe, einerseits weil der Bundesstaat Missouri bei der Besiedlung schon etablierter war, anderseits weil die Steuern tiefer und die Restriktionen für Unternehmen kleiner waren als auf der gegenüberliegenden Flussseite in Kansas. Ein weiterer Aspekt sind Alkohol und Glücksspiel, denn während in Kansas schon lange vor der Prohibition (ca. 40 Jahre!) ein Alkoholverbot galt, waren die Gesetze und Handhabungen in Missouri einiges lockerer. Dies trug dazu bei, dass Kansas City, Missouri wirtschaftlich attraktiver war und schneller wuchs.

Insbesondere dann auch während des landesweiten Verbots von Herstellung, Verkauf und Transport von Alkohol («Prohibition») ab 1920, florierte das Geschäft in KC extrem. Dies hängt vor allem mit einer der bekanntesten Figuren der Stadt zusammen – Tom Pendergast. Ein Politiker und Unternehmer, der grosse Teile der lokalen Politik kontrollierte und über ein gut organisiertes Netzwerk aus Loyalität, Patronage und Korruption verfügte. Unter seiner Führung wurden Wahlen beeinflusst, Ämter vergeben und wirtschaftliche Projekte gesteuert – oft in Zusammenarbeit mit der Mafia von Kansas City. Während im ganzen Land Polizei und Bundesbehörden das Alkoholverbot durchsetzten, wurde das Gesetz in Kansas City kaum konsequent umgesetzt. Hunderte illegale Speakeasy-Bars konnten offen operieren und hatten nicht selten die ganze Nacht offen – kaum verwunderlich, denn die Nachfrage war gross. Der Ruf, dass Kansas City «open» ist – also weiterhin relativ problemlos Alkohol getrunken werden konnte – lockte viele in die Stadt, sowohl Gäste wie aber auch Musizierende. Denn mit der grossen Clubdichte und einer konstanten Nachfrage nach Live-Musik ergaben sich für Musiker*innen ungewöhnlich viele Auftrittsmöglichkeiten. Diese Bedingungen führten dazu, dass in endlosen Jam-Sessions oft stundenlang gespielt und improvisiert wurde, Raum für Experimente entstand und komplexe Stücke entstanden. Viel mehr als in anderen, streng kontrollierten, Städten der USA. Diese Umstände verhalfen Kansas City zu einem regelrechten Boom – und gleichzeitig zu einem Mekka für Jazz-Musik.  

Das American Jazz Museum in Kansas City ist heute so etwas wie das kulturelle Gedächtnis genau jener Jazzszene, die in der Zeit der Prohibition entstanden ist. Es wurde 1997 im historischen 18th-&-Vine-Viertel eröffnet – also genau dort, wo in den 1920er- und 30er-Jahren viele Clubs und Jam-Sessions stattfanden.  Das Museum zeigt, wie sich der Kansas-City-Jazz unter Bedingungen wie illegalen Bars und nächtelangen Sessions entwickeln konnte. In interaktiven Ausstellungen, Filmen und Originalobjekten werden Musiker wie Charlie Parker oder Count Basie vorgestellt, die stark von dieser Szene geprägt waren. Mit dem „Blue Room“ besitzt das Museum sogar einen eigenen Jazzclub, der an die legendären Nachtclubs der 1930er-Jahre erinnert und bis heute Live-Musik bietet.

Im gleichen Gebäude wie das Jazz Museum besuchen wir ausserdem das «Negro Leagues Baseball Museum». Es widmet sich der Geschichte der Baseballligen für afroamerikanische Spieler, die wegen der Rassentrennung nicht in den «Major Leagues» spielen durften. Ausstellungen mit Fotos, Filmaufnahmen und Originalobjekten lassen die Zeit lebendig werden und erzählen, wie eng Baseball mit Themen wie Segregation, Bürgerrechten und sozialem Aufstieg verbunden war. Beide Museen befinden sich im historischen 18th-&-Vine Distrikt, einem Zentrum afroamerikanischer Kultur in Kansas City. Während in Kansas City nachts Jazzclubs florierten, spielten tagsüber afroamerikanische Baseballteams vor grossem Publikum – beide waren Ausdruck einer lebendigen, aber oft ausgegrenzten Kultur. Zufälligerweise waren wir am Feiertag «Juneteenth» (jeweils am 19. Juni) anwesend, dem Tag, der ans Ende der Sklaverei erinnert. Besonders in diesem Viertel finden anlässlich des Feiertags verschiedene Veranstaltungen, Konzerte oder Märkte statt – so konnten wir neben den Museen die afroamerikanische Kultur gleich mit all unseren Sinnen aufsaugen.

Nach dem afroamerikanischen Viertel besuchen wir die älteste Gegend der Stadt – den River Market. Einst als Handelsplatz am Missouri River gegründet, entwickelte sich dort das erste Stadtzentrum mit Markt, Rathaus und Geschäften. Heute ist die Gegend vor allem für den City Market bekannt, einen grossen Bauernmarkt mit über 100 Ständen, auf dem frische Lebensmittel und internationale Spezialitäten verkauft werden. Gleichzeitig hat sich das Viertel zu einem modernen, urbanen Ort mit Restaurants, Cafés, kleinen Läden und Wohnungen in umgebauten Lagerhäusern entwickelt. Während der Zeit von Tom Pendergast war der River Market jedoch ein eher raues Viertel mit Bars, Glücksspiel und Nachtleben – also Teil jener „offenen“ Stadtkultur, die auch die Jazzszene begünstigte. Neben einem Besuch des City Markets sehen wir uns nun eine weitere Perle der Vergangenheit an – das Steamboat «Arabia».

Im gleichnamigen Museum erfahren wir bis ins kleinste Detail alles von der legendären Geschichte dieses Dampfschiffs. Während der Besiedlung des amerikanischen Westens transportierten solche Steamboats Versorgungsgüter wie Werkzeuge, Kleidung und Schuhe, Geschirr, Waffen oder Baumaterialien und Handelsgüter. Flüsse wie der Missouri waren damals zentrale Verkehrsadern, weil es noch kaum Eisenbahnen gab. Am 5. September 1856 kollidierte das Schiff mit einem Baumstamm. Es versank sehr schnell im schlammigen Flussboden und war scheinbar für immer verloren. Doch über 100 Jahre später, im Jahr 1988, fassten sich ein paar mutige Arbeiter aus der Stadt zum Ziel, dieses Schiff wieder auszugraben. Denn sie wussten, dass der Flusslauf des Missouri sich über die Jahre verändert hatte und der Standort, wo das Schiff im Boden liegen musste, sich mittlerweile ausserhalb des Gewässers auf einem Feld befand. Die Entdecker lokalisierten es und hoben eine grosse Grube aus, während sie das Grundwasser ständig abpumpten, bis das Schiff mitsamt Ladung sorgfältig freigelegt werden konnte. Weil der Dampfer so schnell sank und luftdicht im Schlamm konserviert wurde, blieb die Ladung aussergewöhnlich gut erhalten. Deshalb gilt das Wrack heute als eine Art „Zeitkapsel“ des Alltagslebens von 1856 – inklusive Konservendosen mit Essiggurken, Mais und Bohnen, Champagnerflaschen oder Kleiderbügel. Fast zum Schluss unserer Tour erfahren wir, dass unser «Guide» im Museum selbst einer der Männer ist, der das Schiff 1988 ausgegraben hatte. Er erzählt uns, dass sie damals die Gurken sogar selbst versucht haben und diese trotz massiv überschrittenem Ablaufdatum immer noch geniessbar waren – eine spannende Führung mit vielen interessanten Anekdoten!

Nach vielen historischen Eindrücken und einem leckeren Mittagessen bei Brown & Loe am City Market, begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise für unsere trockenen Hälse in der Region East Bottoms. Die «J. Rieger & Co»-Distillery ist eine Whiskey-Brennerei mit einer langen Geschichte. Zu Beginn der vorher erwähnten Prohibition wurde das Unternehmen stillgelegt – denn obschon Kansas City politisch tolerant gegenüber illegalem Konsum war, durften Brennereien keinen Alkohol produzieren, ohne sich strafbar zu machen. Das Unternehmen ruhte danach jahrzehntelang, und das ursprüngliche Brennereigelände wurde in den 1950er-Jahren sogar abgerissen. 2014 wurde die Marke wiederbelebt, als Andy Rieger – ein direkter Nachfahre des Gründers – zusammen mit dem Barkeeper Ryan Maybee die alte Marke und Tradition neu aufleben liess. Sie kauften das alte Warenzeichen zurück und bauten eine moderne Distillerie für die Produktion von Whiskey und anderen Spirituosen. Die verschiedenen Variationen des modernen «Kansas City Whiskeys» sowie andere Klassiker aus dem Hause «J. Rieger & Co» konnten wir anschliessend bei einem Tasting inmitten der für eine Brennerei charakteristischen Eichenholzfässern kredenzen.

Nach dem ausgiebigen Apéro bei «J. Rieger & Co» geht es mit grossem Hunger zurück in die Innenstadt. Und diesen grossen Hunger brauchen wir auch – denn am Abschlussabend schlagen wir unsere Bäuche mit fantastischem Kansas City BBQ voll. Bei «Jack Stack», einem Klassiker seit den 1950er Jahren, gibt es eine riesige Auswahl an geräuchertem Fleisch. Wir bestellen uns zu dritt eine «The Taste of Kansas City»-Familienplatte mit Beef Brisket, Pulled Pork, Ribs und Chicken und dazu diverse «Sides» wie Coleslaw, Cornbread und leckeren Bohnen. Eine Spezialität in KC sind die «Burnt Ends», also die knusprig angebrannten Enden der Ribs und hat spätestens seit der Einführung der berühmten «KC Masterpiece» BBQ-Sauce einen hohen Stellenwert auf der BBQ-Landkarte. Trotz unseres grossen Hungers findet der Rest unserer Platte am Ende übrigens seinen Weg zu unserem Busfahrer, welcher sich sehr über den unerwarteten Snack gefreut hat.

Am Abreisetag geniessen wir in der Union Station einen fantastischen Brunch mit einem riesigen Buffet. Dies im alten Bahnhof der Stadt, der Union Station, welche heutzutage weniger für Zugreisen aber viel mehr für Freizeitaktivitäten genutzt wird. Neben Restaurants mit feinem Brunch gibt es verschiedene Ausstellungen, ein Planetarium, Kino, Wissenschaftszentrum, Modelleisenbahnen und Souvenirshops. Praktisch neben der Union Station erblicken wir einen beeindruckenden Turm, das Denkmal des World War 1 Museums (1. Weltkrieg). Zum Abschluss besuchen wir dieses umfangreiche Museum mit persönlichen Geschichten, Uniformen, Waffen, Fahrzeugen und originaler Kriegsausrüstung aus dem 1. Weltkrieg. Interaktive Exponate und Präsentationen, die die Ereignisse und Auswirkungen des Krieges sowie die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe erklären, ergänzen die Ausstellung.

Mit sehr vielen Eindrücken aus Missouri im Gepäck, reise ich anschliessend über Chicago und Frankfurt zurück in die Schweiz – vielen Dank für diese abwechslungsreiche und aufschlussreiche Reise durch Missouri an Visit Missouri!