19.12.2019

Reisebericht | Unser Besuch in der Farewell Harbour Lodge

Die Farewell Harbour Lodge befindet sich auf Berry Island an der Mündung des Knight Inlets und bietet beeindruckende Touren zur Beobachtung von Bären und Meerestieren.

 

Im Rahmen unserer dreiwöchigen Westkanada-Reise durch die Rocky Mountains über Whistler nach Vancouver Island haben wir uns auf Empfehlung von Freunden in der Farewell Harbour Lodge einquartiert. Schon die Anreise über den Island Highway 19 beförderte uns in ein anderes Kanada: Selten waren wir so lange so allein auf der Strasse unterwegs. Im Alder Bay RV Park and Marina angekommen, wurden wir erstmal mit warmen Kaffee, Kakao, frischen Muffins und Cookies begrüsst, sodass wir uns die Zeit bis zur Ankunft des Wassertaxis wunderbar versüssen konnten.
 
Das Wassertaxi brachte uns in nur 30 Minuten mitten in die wunderbare Inselwelt von Vancouver Island. Schon auf dem Weg zur Farewell Harbour Lodge durften wir die ersten Wale beobachten. Bei der Ankunft dann wurden wir begrüsst, als wären wir langjährige Freunde und bekamen ein selbstgemachtes, frisches Mittagessen aufgetischt. Uns wurde alles erklärt, die Lodge gezeigt und wir wurden mit Regenmantel- und hose, Rettungsweste und Stiefeln ausgestattet. Für uns ganz besonders: auf der ganzen Insel ist keine einzige Türe verschlossen. Wir bekamen also keinen Schlüssel. Die Zimmertüre liess sich für die Nacht von innen schliessen, aber den Tag durch waren alle Türen offen. "Wir sind hier eine Familie", hiess es, und wir merkten schon bald, dass es wirklich so war.

Gleich nach dem Essen und der Einweisung ging es zurück auf das Wasser. Und schon nach kurzer Zeit geschah, was wir nie zu hoffen gewagt hätten: Wir sahen Buckelwale, Orkas und Delphine!

Am Abend dann, als alle Gäste und Mitarbeitende im Hauptgebäude an den drei grossen Tischen zu Abend gegessen haben, wurden uns die Pläne für den morgigen Tag erklärt und gezeigt, wo es hingehen sollte und wir wurden gefragt, was wir gerne für ein Sandwich zum Mittagessen hätten.

Am nächsten Morgen ging es zum ersten Mal richtig los. Nach einem reichhaltigen Frühstück haben wir unser selbstgemachtes Sandwich erhalten und wir konnten uns mit Früchten, Säften, Nüssen, Muffins und vielem Mehr für den Tag eindecken. Die Gäste wurden jeden Tag in zwei bis drei Gruppen aufgeteilt, sodass nie mehr als 10 Gäste in einer Tour bzw. einem Boot waren. Immer mit dabei waren auch zwei Guides, die allesamt nicht nur sehr viel Erfahrung mitbrachten, sondern schon nach kurzer Zeit wie Freunde waren. Sie haben uns auf unseren Tours auf teilweise abenteuerlichen Pfaden zu weit entfernten, einsamen Plätzen geführt, die wir nie wieder vergessen werden.

Abends sind wir dann jeweils gemütlich beisammengesessen und haben uns mit den anderen Gästen über ihren Tag ausgetauscht. Es wurden Fotos herumgezeigt und man hat mit einem Bier oder einem Glas Wein auf dem Sofa oder der Veranda sitzend auf den Tag angestossen. Nach dem selbstgemachten Abendessen, wo der Koch auch auf Lebensmittelunverträglichkeiten mit sehr leckeren Alternativen Rücksicht genommen hat, gab es jeweils einen Vortrag über die Tier- und Pflanzenwelt in der Region oder einen Film, was sehr beeindruckend war.

Am letzten Tag dann durften wir uns zwischen einer Ausfahrt aufs Meer zum Walewatching oder einer Kanufahrt entscheiden. Wir wählten das Letztere und wurden nicht enttäuscht. Die Stille und Einsamkeit auf dem Wasser waren überwältigend.

Überhaupt haben wir in unseren Ferien noch nie so viele Menschen kennengelernt wie in der Farewell Harbour Lodge. Die Ausflüge in kleinen Gruppen, die Abendessen mit allen Bewohnern der Insel und das gemeinsame Beisammensein vermittelte einem das Gefühl, Teil dieser Familie zu sein. Es war eine fantastische Zeit, in welcher wir jede Minute genossen haben.

 

Text und Bilder von Isabel Gebhard