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  Tagebuch Noatak / Indian Summer 2000
Kanutour auf dem Noatak vom 21. Juli - 8. August
 
         

Teilnehmerinnen und Teilnehmer
(in der Reihenfolge der Tagebucheinträge):

Matthias
Daniela
Toni
Hajot unser Profi-Guide
Dominique
Hanspeter


 

 

     
  Übersichtskarte
   
         
         

21.7.: Start in Fairbanks
Nach einem Grillabend auf einer Holzveranda in Fairbanks ging es heute Morgen los mit einem kräftigenden Morgenessen. Anschliessend packten wir das Material, das für den Kanutrip benötigt wird, fluggerecht zusammen. Am Check-in-Schalter staunten sie nicht schlecht über die Menge Material, die wir ihnen vor die Füsse stellten. Nach dem Check-in mussten wir uns noch etwas gedulden, bis wir die zwei kleinen Propellerflugzeuge besteigen konnten, die uns nach Bettles fliegen sollten. Der Flug war für alle ein grosses Erlebnis - auch wenn es einigen ein wenig flau in der Magengegend wurde, als die Flugzeuge unter einer Gewitterwolke durchflogen.

Bettles Lodge

In Bettles vergass man dann sehr schnell das üble Gefühl und staunte über die Ortschaft, die aus einer grossen Schotterpiste und ein paar Häusern besteht. Bettles, nur im Winter mit dem Auto erreichbar, ist die letzte Ortschaft, bevor es in die noch weitere Wildnis hinausgeht. Es schien, als fänden sich sämtliche Bewohner von Bettles regelmässig in der einzigen Lodge ein, um ein wenig miteinander zu reden. Es ist eindrücklich zu sehen, dass es Leute gibt, die in einem so abgelegenen Ort leben. Den Nachmittag verbrachten wir damit, Unmengen von Nahrungsmitteln sowie Kanus, Gummistiefel und Regenblachen zusammenzupacken. Nach einem sonnigen und warmen Tag konnten alle, die lange genug warteten, einen Mitternachtssonnenuntergang erleben, bevor auch sie in die Zelte krochen. Matthias

 

22.7. Tag des Aufbruchs an den Noatak.
Vor lauter Aufregung auf Lances Beaverflug schlüpften alle sehr früh aus ihren Zelten und genossen den letzten Zmorge in der Kleinzivilisation von Bettles. Hajot war auf dem ersten Flug samt wichtigstem Gepäck, alle anderen lernten «bushtime»-Verhältnisse kennen. Das besteht primär aus Warten. Nach den ersten beiden Stunden sprangen wir jeweils freudig erwartungsvoll in die Mückenplage hinaus, sobald wir auch nur den geringsten Ton eines Flugzeugs zu hören glaubten. Doch siehe da, nach etwa drei Stunden Wartezeit wurden wir zum Abmarsch aufgeboten, ehe wir ein Motorengeräusch hörten. Es lebe die Technik und bravo den Organisatoren. Nur Dominique und Hanspeter übten sich weiter im Warten und telefonierten letzte Nachrichten von Hajot ans Para-Tours-Büro in Fairbanks (wo es übrigens regnete). Der Flug mit Lance in die Brooks Range nahe der Arrigetch Peaks vorbei war atemberaubend.

Kaum gelandet im Pingo Lake, war die erste Portage angesagt. Noch unsicher wateten wir schwer bepackt zum Camp. Dort musste sich Hajot zuerst stärken mit Lunch (er hat leider das Breakfast auslassen müssen), bevor wir die Kanus zusammensetzten. Bald schon war es Zeit, die letzten beiden beim Landeplatz abzuholen. Lance bot uns zum Abschied noch eine kleine Gratisflugshow, die uns von den Beinen warf. Als alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Trips im Camp waren, wurde der Rest eingerichtet und aufgebaut (Wer weiss immer noch nicht, was Briden sind?). Die Zeit verging wie im Flug, und alle freuten sich auf das hervorragende erste Abendessen am Noatak. Der Tag war anstrengend, so dass wir nach dem Aufrichten der Zelte nur noch für einen Tee oder Kaffee genug Energie übrig hatten. Kurze Hektik brachte noch ein sich anbahnender Regenguss, welcher sich dann aber als harmlos erwies. Es reichte nur gerade für ein paar Tropfen. Nun setzen wir diesem Tag ein Ende. Die einen werden von Schneewittchen und ihren coolen Geschichten träumen, andere von Brad Pitt oder sogar von zerbrochenen Ersatzbrillen. Und die Letzten freuen sich auf die heute nicht mehr gerauchte Zigarre. Doch eines hat die ganze Gruppe gemeinsam: Morgen geht es endlich auf den Fluss und rein ins Abenteuer - wenn wir nicht vorher von einem Bär geweckt werden. Daniela

 

23.7. (Sonntag, wie wir am Abend herausfinden)
Erwartungsvolles Aufstehen an feucht-warmem Morgen. Ausgezeichnetes Flugwetter für Mosquitos. Hajots Haferbrei kommt gut an, im übrigen bedienen sich alle vom vielseitigen Angebot. Lager abbrechen, Boote und Material zum Fluss tragen. Nach letzten Instruktionen über das Beladen der Boote, Fahrweise, Sicherheit etc. stechen wir in die Strömung. Endlich frei von Mücken! Gelegentliche Regentropfen aus einem verhangenen Himmel - die höchsten Gipfel stecken in den Wolken - stören uns nicht. Nach einigen Flusswindungen landen wir auf einer Kiesbank. Hajot führt uns, ausgerüstet mit Angelruten, zu einem nahen See, wo er «einen Hecht reserviert» habe.

Noch bevor Toni seine Rute bereit hat, zieht Matthias schon einen stattlichen Hecht an Land. Wir befinden, dass er für vier Personen reichlich sei und noch ein etwas kleinerer gebraucht werde für das Nachtessen. Nach einigen erfolglosen Versuchen ist auch das geschafft. Hajot zeigt uns das richtige Töten der Fische, Toni das Schuppen und Ausnehmen. Beide Hechte haben einen kleinen Fisch im Magen! Und weiter geht es mit den Kanus bis zum nächsten Lager, vorbei an einem stattlichen Moschusochsen, der uns, am Rande einer Kiesbank stehend, kaum beachtet. Zwischen Koch/Materialzelt und unseren rund 100 Meter entfernt aufgestellten Schlafzelten finden wir Bären- und Wolfspuren. Hecht und Reis munden herrlich. Tiere gesehen: einen Moschusochsen, Hechte, Adler, Enten, Taucher, zwei Arten von Möven, Seeschwalbe, Schwalben, zu viele Insekten. Ausserdem hat es viele blühende Blumen. Toni

 

21.7.-23.7.
 

 

 

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