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5.8.
Kalt, nass, grau. Ausser zwei Karibus, die dunkelgrau und nass
am Ufer stehen, gibt es an diesem Tag nicht viel zu erwähnen.
Nur soviel: Die Zivilisation hat uns wieder - oder wir haben die
Zivilisation wieder. Obwohl wir noch etwa zwei Paddeltage vor
Noatak herumkurven, sehen und erleben wir die ersten Zeichen menschlicher
Überlegenheit gegenüber der Natur. Motorboote kreuzen unseren
Weg. Diese Begegnungen provozieren bei Daniela die Bemerkung:
«An die Geschwindigkeit dieser Wasserflitzer muss ich mich erst
wieder gewöhnen.» Unser Lebenstakt hat sich in den letzten Tagen
verändert.
Eine zweite Begegnung mit der menschlichen Art machen wir auf
einer Kiesbank. Diverse Feuerstellen sind mit Alufolie, Aludosen,
Plastik usw. übersäht. In den letzten Tagen haben wir versucht,
möglichst wenig Spuren unserer Anwesenheit zu hinterlassen. Und
jetzt stehen wir vor solch einem Zivilisationssaustall. Ich bin
verärgert, enttäuscht und frage mich, ob unsere Bemühungen überhaupt
Sinn gemacht haben?

Ja! Und ich hoffe, dass auch diese Reise auf dem Noatak bei uns
allen dazu beigetragen hat, dass unser Lebenstakt auch zu Hause
etwas anders schlägt. Und dass wir auch an kleinen Ehrfurchtsbezeugungen
gegenüber der Natur festhalten. HAJOT
6.8.
Schlimmer kann es ja gar nicht mehr kommen, sagt der Pessimist.
- Doch,doch, weiss der Optimist. Heute Morgen war es nicht grau
in grau, sondern uni-grau, das uns beim Öffnen der Zelte entgegenschwappte.
Die Stimmung vermochte sich trotz stellenweise Gegenwind beim
Paddeln zu heben, wenn auch nur knapp. Durch Neben, Niesel und
Baumstämme paddelten wir über ganze Sandbänke, die der Fluss mit
Hochwasser überspült hatte. Die Strömung war so stark, dass wir
unser Etappenziel vor Noatak am frühen Abend erreichten. Es blieb
also Zeit zum Oski-Meierlen. Das Abendessen war erneut fischlos,
obwohl sich die beiden Fischer einmal mehr die Beine in den Bauch
froren. Das Wasser ist wohl einfach zu trüb. So beenden wir den
Abend dick eingemümmelt um das obligate Feuer, glücklich, auch
diesen Tag erlebt zu haben. Dominique
7.8.
Der letzte Tag mit dem Kanu auf dem Noatak. Schon nach einer Stunde
Paddeln erblickten wir die Dächer des Dorfes Noatak. Nach diesem
Anblick legten wir an der nächsten Kiesbank an: die sechs gezeichneten
Tundra-Paddler wollten sich in ihrer besten Naturkluft ablichten.
Noatak empfing uns dann mit lautstarkem Töffdonnern: 4-W-Tundra-Töffs,
das sehr beliebte Nahverkehrsmittel. Nach einem Spaziergang durch
das eher triste Eskimo-Dorf betraten wir bei Herbert, unserem
morgigen Kapitän, zum ersten Mal seit über zwei Wochen ein geheiztes
Haus und genossen den offerierten Kaffee, während die Gastgeber
TV sahen. Schon nach kurzer Zeit führte uns die wohlige Wärme
in Schlafesnähe. Und die Köpfe glühten. Danach bewunderten wir
den gutdotierten Store und die Preise! Nach einem Mittagessen
aus sämtlichen Resten zusammengekocht, hiess es nochmals Zupacken
beim Reinigen, Sortieren und Zusammenpacken des Materials. Danach
ging es nochmals ins Dorf, zum Bingo Match. Das halbe Dorf schien
hier teilzunehmen. Unsere investierten acht Dollar reichten nicht
für einen Gewinn. Wir freuten uns aber an den begeistert spielenden
und schickenden Inuits. Und der Kaffee war erst noch gratis.

Nur
die Kinder mussten draussen bleiben. Als unsere Ohren erneut heiss
wurden, setzten wir auf unsere Insel über, um nach einem späten
Abendbrot noch immer bei Töffgedonner in die feuchten Federn zu
schlüpfen. Bei Hajot möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich
bedanken für die profimässige Führung, gewürzt mit einer phantasievollen
Küche. Aller Unbill zum Trotz bleiben uns die drei Wochen auf
dem Noatak sicher lange in guter Erinnerung. Insbesondere auch
da der Noatak seinem Namen die Treue hielt: no attack. Hanspeter

8.8.: The last day!
Nun stehen wir bereit, wie abgemacht um 10 Uhr, alles gepackt.
Wir können die Motorbootsfahrt nach Kotzebue antreten. Doch um
10.30 Uhr kam die Meldung, Herbert, der Bootskapitän, sei krank.
Nun machten sich die Einheimischen auf die Suche nach einem Ersatzboot.
Doch irgendwie hatten sie dabei Mühe. Im Laufe der nächsten Stunden
kamen Unterhändler zweimal für neue Verhandlungen auf unsere Fischinsel.
Dahinter stand wohl die Hoffnung, noch mehr für die Überfahrt
herausschinden zu können.
Schliesslich klappte es dann doch, um etwa 13 Uhr ging es los.
Doch nach bereits 45 Minuten brach der Motor zusammen, und trotz
aller Bemühungen konnte er an Ort und Stelle nicht repariert werden.
Nun ging die Warterei von neuem los, diesmal auf das Ersatzboot,
das per Funk (der schliesslich doch noch funktionierte...) angefordert
wurde. Als eineinhalb Stunden später eine Nussschale eintraf,
die uns nach Noatak (?) bringen wollte, staunten wir nicht schlecht.
Am nächsten Tag, wenn der Motor dann geflickt war, wollten sie
uns nach Kotzebue bringen. Doch unser Flug war auf 11 Uhr morgens
angesetzt, und die Bootsfahrt von Noatak nach Kotzebue dauert
drei bis vier Stunden. So funktionierte das also nicht. Also packten
wir unsere Gesamte Habe auf die Nussschale, legten uns drauf,
und los ging es in Richtung Kotzebue. Wenigstens einige Meter,
danach war allen klar, dass es so auch nicht gehen würde, das
Boot war total überladen.

Also
packten wir alles wieder aus, und Hajot und Dominique fuhren allein
nach Noatak zurück, um ein neues Boot zu organisieren. Wir übrigen
vier machten es uns gemütlich am Noatak-Ufer neben dem zusammengebrochenen
Boot. Um den Hunger zu beruhigen kochten wir uns Suppe und Polenta,
denn wir hatten seit dem Morgenessen nichts mehr gegessen. Danach
schmiedeten wir Pläne, wie wir den Abend und den Morgen überstehen
sollten. Im besten Fall, so dachten wir, kämen wir gerade zum
Frühstück in unserem Bed and Breakfast in Kotzebue an. Doch es
sollte ganz anders kommen. Das neue Boot kreuzte überraschend
früh bei uns auf, so dass wir, alles schön verstaut, schon um
20 Uhr weiterfahren konnten. Eine tolle Bootsfahrt. Das lange
Warten wurde sogar mit ein wenig Sonne belohnt. Nach gut zwei
Stunden standen wir auf dem Meer, wenige Kilometer vor uns war
schon Kotzebue zu sehen. Das mit dem «stehen» ist nicht nur so
dahingeschrieben, wir standen tatsächlich mitten im Meer: auf
einer Sandbank. Unsere Paddel kamen ein letztes Mal zum Einsatz
- und diesmal musste Hajot bis zu den Knien ins Wasser, um das
Boot loszureissen. Im B&B ging das grosse Duschen los, untermalt
vom fluggerechten Verpacken der letzten Paddelgegenstände. Kurz
nach Mitternacht wurde es ganz still, alle waren ziemlich müde
von diesem Tag. Und ich mache gleich weiter: Das Morgenessen war
für uns alle sehr speziell, nach drei Wochen im Busch plötzlich
wieder an einem gedeckten Tisch. Matthias
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