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  Tagebuch Indian Summer 2000
30. Juli - 1. August
 
         
         

30.7.
Dieser Tag empfängt uns mit Sonne und Wärme. Für weitere Wärme beziehungsweise Hitze sorgt Hajot mit seinen happigen Paddelstrecken. Bis zum Lunch ist so mancher «Motor» fast am Überhitzen. Die Pause wird wie immer zum Essen, Trinken, Dehnen, Fischen und neu zum Dösen und («fast») Schlafen benutzt. Nach etwa einer Stunde weiteren Paddelns unter heisser bis stechender Sonne (in Gedanken beginnt Mann und Frau schon die Hitze zu verwünschen oder denkt gar daran, endlich nur noch im T-Shirt zu paddeln) sorgt ein heftiges Gewitter für mehr als genug Abkühlung. Fasziniert beobachten wir, wie sich urplötzlich die Wolken auftürmen, wie sich Regenschwaden über die ferne Ebene ergiessen und, dies allerdings mit weniger Faszination, wie sich das Ganze auf uns zu bewegt. Kaum haben wir das Ufer erreicht und unsere Regenutensilien angezogen, bricht das Unwetter über uns herein. Wir stehen mit dem Rücken zur Regen-, Hagel- und Gewitterwand und lassen das Ganze geschehen. Nach rund 15 Minuten Dusche «Made in Alaska» setzen wir unsere Fahrt auf dem Noatak fort, nun wieder in den Wind- und Regenkleidern. Ziel: Sich bewegen, um wieder warm zu werden.
PS: Mit Ausnahme der 15 bis 20 Minuten Unwetter hatten wir den ganzen Tag mehr als genug Wildlife. Abertausende von Mücken setzten unserem Blutvorrat, aber vor allem unseren Nerven, zu. HAJOT

 

31.7.
Der morgendliche Blick aus dem Zelt endet an einer Mauer: ein graugelblicher Morgendunst. Noch während des Frühstücks lichten sich die Schwaden und ein weiterer sonniger Tag beginnt. Toni und Dominique nutzen das gute, windstille (und dafür mückensichere) Wetter, um ihre Steuerkünste zu perfektionieren beziehungsweise zu erproben. Mein Versuch endet nach etlichen Pirouetten kläglich auf der ersten Sandbank. Also zurück in die Schaufelposition. Toni hält bis zur Mittagsrast durch und hängt uns zwischenzeitlich ab. Nach den üblichen Schlaufen mühen wir uns schliesslich durch eine Mega-Mega-Kurve, die einzige am Noatak mit Namen: Okak-Bend. Wir steigen aus und kraxeln durch Heidelbeerbüsche (mh!) einen Hügel hoch, auf dem vor 20000 Jahren eine Siedlung existiert haben soll. Davon sieht man allerdings nichts mehr, aber die Aussicht über das von unzähligen Windungen geprägte Flusstal ist super - und lässt den Gegenwind vergessen, der uns kurz behindern wollte. Gespannt beobachten wir einen Moschusochsen, der durch die Tundra weidet und uns offensichlich nicht wittert. Nach dem Wanderausflug steigen wir beschwingt wieder in die Kanus und kämpfen uns durch neuerlichen Wind zur nächsten Gravelbar, wo wir eine kurze Esspause einlegen. Vor dem Weiterfahren sehen wir am gegenüberliegenden Ufer ein junges Karibu durch die Böschung steigen. Hajots Kommentar: «Bärefuetter». Danach geht das Paddeln wieder los, die nächste Kurve tauft Toni flugs in Oh-Kaka.... Der Wind lässt grüssen. Die Nachmittagspaddlerei wird von einer Regenkleidermontur begleitet. Regen, Wind und Sonne wechseln sich dann ab. Als neue Variante gibt es das Nachtessen im Ausdauersportleroutfit, stehend und in Regenkleidern. Natürlich beginnt es just zum ersten Gang der Spaghetti al sugo zu kübeln, was der dicken Sauce ganz gut tut. Dann paddeln wir in die Nacht hinein, die wie immer taghell ist und uns ein grandioses Licht- und Schattenspiel bietet. Gegen 22.30 Uhr finden wir eine nachtwürdige Kiesbank, Hajot zaubert in Windeseile warme Schokolade herbei, zur allgemeinen Belebung. Beim Aufräumen stösst er ausserdem auf diverse Tafelschokoladen, die unsere Seelen erheitern.


Dazwischen knetet Daniela einen neuen Brotteig, den wir - einmal mehr - genau drei Sekunden vor Regenbeginn aufs Feuer setzen. Alle, die nicht Zelte vor dem Sturm retten sprich richtig verankern müssen, stehen als Windschutzschilder vor dem «Ofen». Gegen 02 Uhr endet ein langer und schöner Tag. PS: Erste Pappeln gesehen und gerochen. Dominique

 

1.8.: no Morgenrot
Nach der späten Nachtruhe kämpfen wir uns heute Morgen erst um 10 Uhr aus der mückenfreien Zone. Um unsere Kräfte nicht sofort dem Wind zu opfern, dehnten wir das Morgenessen und eine allgemeine Flick- und Entsandungsaktion bis um 13.45 aus. Bei mässigem Wind, nicht immer von der richtigen Seite, verärgerten wir bald ein paar Möven mit unserem Eindringen in ihr Revier. Ob ihnen unsere Nähe unangenehm war oder ob sie neidisch auf unseren Lunch waren, konnten wir ihrem Gekreisch nicht entnehmen. Die getankte Energie konnten wir dann nicht lange speichern. Wir brauchten unsere ganzen Kräfte, um gegen den starken Gegenwind anzukämpfen. Wir waren alle froh, als Hajot sein Kanu Richtung Ufer steuerte. Fischstopp war angesagt. Wir befürchteten jedoch schon ein vegetarisches Nachtessen, als nach einer Stunde noch immer kein Fisch Gefallen an Tonis und Matthias Spiegeln gefunden hatte. Doch nur wenig später zappelte der erste Grayling an Tonis Angel. Drei weitere sollten folgen und Matthias angelte uns einen Lachs. Das Nachtessen vor Augen, paddelten wir mit vollen Kräften zur nächsten Gravelbar, gerade dort, wo die Ebene wieder in die Berge einbiegt.

Filetierte Fische mit Reis und Chabis liessen uns den «lieben» Wind schon bald vergessen. Um Mitternacht verspürten drei besonders Dreckige das Verlangen, ihre nackten Körper noch den dankbaren Mücken und dem kühlen Noatak-Wasser auszusetzen. Danach ging es ab in den Schlafsack. Hanspeter

 

 
30.7.-1.8.
 

 

 

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