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  Tagebuch Indian Summer 2000
27. Juli - 29. Juli
 
         
         

27.7.
Am Morgen die grosse Überraschung: SCHNEE. Ich traute meinen Augen fast nicht, aber es war so. Nachdem alle einen heissen Tee geschlürft hatten, sagte uns Hajot, dass es bei solchem Wetter keinen Sinn macht, weiterzupaddeln. Ja, und nun sitzen wir in unserem Camp und frösteln vor uns hin. Die Stimmung, die anfäglich trotz aller Unbill gut war, sank gegen Mittag Richtung Frostgrenze, als allen klar wurde, dass es mit Schneien so schnell nicht aufhören würde.

Jetzt kommt eine grössere Sequenz Schnee, Schnee, Schnee, Zelte freiwischen, Schnee, Zelte freiwischen...Moment mal: Die Pancakes und Chili-Bohnen, die uns Hajot zubereitete, waren sehr gut und erwärmten uns zwischenzeitlich. Falls jemand nicht weiss, wie eine Schneeflocke aussieht oder wie kalt sie ist oder wie es ist, wenn man einen Tag im Schnee stecken bleibt, darf er sich gerne bei uns melden. Es können sechs Personen Auskunft geben. Matthias

 

28.7.: Der PRACHTSTAG.
Am Morgen weckte uns die Sonne!!! In der Ferne (also eigentlich gar nicht so weit entfernt) erblickte man die verschneiten Berge vor strahlend blauem Himmel. Die Belohnung nach dem gestrigen Schneetag hätte nicht besser sein können. Zwar war es immer noch saukalt, aber mittlerweile gibt man sich mit wenig zufrieden. Auch die kleine Eisschicht im Kanu dämpfte unsere Paddelfreude nicht. Sogar der Wind auf dem Fluss war uns gut gesinnt, wir legten ein gutes Stück zurück (trotz anfänglicher Navigationsprobleme eines der Boote wegen einer Steuerfrau...). Seit langem zum ersten Mal verzichteten wir beim Lunch auf die Suppe, schliesslich ist die fürs schlechte Wetter reserviert. Wir genossen, zwar in Gore-Tex-Jacken und Skiunterwäsche aber mit viel Sonne, einen trockenen Zmittag.

Der abendliche Lagerplatz ist herrlich, mit Blick auf den Sonnenuntergang (wenn er denn irgendwann in den frühen Morgenstunden kommt und wir noch nicht im Bett sind) und einem wunderbar lauschigen Zeltplatz. Die vier Männer überraschen uns mit einer umwerfend-super-feinen Pizza à la Noatak (gebacken in der Goldwaschpfanne) und Rotwein. So hatten wir zwei Frauen Zeit, uns (noch) schön(er) zu machen, sprich wieder einmal mehr als die Hände im eisigen Flusswasser zu waschen. Sogar bei einigen Männern war später Haarewaschen angesagt ( wobei einem die Stirn einfriert). Highlights des Tages: Toni repariert den Masten des Plachenzeltes mit Ducktape, trotzdem bricht der Masten. Danach müssen zwei Paddel mit Ducktape als Masten herhalten. Und: Bei der Foodkontrolle merkt Hajot, dass wir noch Tonnen von Schokolade essen können. Daniela

 

29.7.
Ein eher feuchter, windiger Morgen. Woher kommen nur plötzlich all die Wolken? Daniela facht mit viel Geduld und ihrem Feuerzeug ein Feuer an, auf dem anschliessend Hajot wunderbare Pancakes in der Goldwaschpfanne zubereitet. Auf dem Fluss ist es beinahe windstill und wir kommen flott voran. Andrerseits sind die Mücken aufsässiger denn je. Lunchpause auf einer schönen Gravelbar. Es ist richtig warm geworden. Schmetterlinge fliegen und Matthias und Toni versuchen sich erfolglos im Fischen.
Wieder in den Kanus, sichten wir wenig später einen Grizzlybären. Wir legen am gegenüberliegenden Ufer an und beobachten den Kerl, wie er sich langsam den Hang hochbewegt auf seiner Futtersuche. Sind es Beeren oder Erdhörnchen? Jedenfalls muss der Bär einen guten Sommer gehabt haben, er ist gross und fett. Früher als erwartet erreichen wir dann unser Etappenziel, die Mündung des Aniuk River. In Hajots Karte steht hier «no fish». Und so sehr sich Matthias und Toni auch bemühen, der Eintrag muss bestehen bleiben.

Die Realisten der Gruppe haben inzwischen ein feines, fischloses Nachtessen bereitet. Umsummt von Tausenden von Mücken (wirklich spektakulär) werden dann die Landkarten zu einem Bild der ganzen Reise ausgelegt und bestaunt. Wir beschliessen den Tag mit dem obligaten Tee und Cookies. Toni

 

 
27.7.-29.7.
 

 

 

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